Ethikcodex

Der Berufsverband für Tanz- und Ausdruckstherapie in Österreich (BTA) steht für Professionalität und Qualitätssicherung von Tanztherapie unter Einhaltung von Ausbildungs- und Ausübungsstandards. Die ethischen Richtlinien sind Bestandteil der Ausübungsstandards.

Ethische Richtlinien unterstützen die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung, die Abwägung von Werten, Standards und Interessen im Rahmen der Tanztherapie.

Grundsätzliches

TanztherapeutInnen respektieren die Würde und Integrität der Personen, mit denen sie in direkter oder indirekter beruflicher Beziehung stehen, insbesondere ihr Recht auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.

Diese ethischen Grundsätze gelten für alle BTA-TanztherapeutInnen.

Verantwortlichkeit

TanztherapeutInnen tragen die Verantwortung für ihr berufliches Handeln im Wissen um die möglichen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf ihre Klientensysteme.

Sie verhalten sich so, dass vermeidbarer Schaden verhindert wird.

Sie lehnen Aufträge ab, die sie nicht fachgerecht ausführen können oder die den „Ethischen Richtlinien“ des BTA widersprechen.

Sie lehnen auch Aufträge ab oder brechen sie ab, wenn sich herausstellt, dass sie den Menschenrechten, gemäß UN-Menschenrechtskonvention, widersprechende Zielsetzungen beinhalten.

Fachliche Kompetenz und Fortbildung

Die Erfüllung tanztherapeutischer Aufgaben erfordert die ständige selbstkritische Prüfung der eigenen persönlichen und fachlichen Qualifikation und Kompetenz und das Bemühen um Weiterentwicklung in fachlichen, methodischen und persönlichen Bereichen.

Daraus ergeben sich konkrete Verpflichtungen:

  • sich auf jene tanztherapeutischen Leistungen zu beschränken, die vereinbart wurden und die in eigener Kompetenz liegen. In der Tanztherapie ist auf eine möglichst klare Abgrenzung zu anderen Disziplinen zu achten (insbesondere ärztliche oder psychotherapeutische Diziplinen)
  • Wenn sich im Prozess zeigt, dass eine andere Profession in Bezug auf die Bedürfnisse der Klientinnen geeigneter wäre, ist der/die Klientin darüber zu informieren bzw. sind weiterführende Empfehlungen auszusprechen.
  • Entsprechend regelmäßige Fortbildung. Eine Fortbildung von 3 bis 6 Tagen innerhalb von zwei Jahren ist verpflichtend. (Dazu zählen etwa Fachtagungen, Weiterbildungen in angrenzenden Professionen, Seminare, Kurse...).
  • zu professioneller berufsbezogener Reflexion der eigenen Tätigkeit (Supervision, kollegiale Intervision)

Verpflichtung zu sachlicher und wahrer Information gegenüber den KlientInnen

TanztherapeutInnen dürfen für sich und ihre Dienstleistungen werben, soweit die Angaben sachlich richtig und berufsbezogen sind. Wahrheitswidrige und irreführende Informationen sind unzulässig.

Vertrauensverhältnis und besondere Sorgfaltspflichten

Im Erstgespräch sollen folgende wesentliche Punkte geklärt und in gegenseitiger Verpflichtung vereinbart werden: Setting, Honorar, Ausfallregelung, Zeitrahmen, Verschwiegenheitspflicht.

BTA-TanztherapeutInnen achten und fördern die Individualität und Eigenständigkeit der KlientInnen und gehen verantwortungsvoll mit dem besonderen Vertrauensverhältnis in der therapeutischen Beziehung um. Jeder Missbrauch dieses Vertrauensverhältnisses – ob zugunsten wirtschaftlicher, sozialer, sexueller oder anderer persönlicher Interessen der TanztherapeutIn – gilt als unethisches Verhalten und wird strikt abgelehnt.

BTA-TanztherapeutInnen nützen weder Informationen von oder über KlientInnen noch Ergebnisse aus dem Therapieprozess für eigene Interessen oder die anderer KlientInnen.

Verschwiegenheitspflicht und Datenschutz

BTA-TanztherapeutInnen behandeln Informationen über KlientInnen, Sachverhalte und Institutionen, die sie im Zusammenhang mit beruflichen Beziehungen erhalten grundsätzlich vertraulich. Sie sorgen dafür, dass alle schriftlichen Unterlagen mit vertraulichem Inhalt in ihrer Obhut vor dem Zugriff Dritter geschützt sind und/oder Daten vollständig anonymisiert werden. Die Verschwiegenheitspflicht gilt auch über die Beendigung der auftragsgemäßen Tätigkeit hinaus.

Die Verletzung der Verschwiegenheitspflicht ist dann entschuldbar, wenn – nach Ermessen der/des TanztherapeutIn nachvollziehbar - dadurch eine unmittelbare Gefahr oder großer Schaden von sich oder einer anderen Person abgewendet werden kann.

Der Umgang mit Informationen aus dem Therapieprozess gegenüber eventuellen Auftraggebern (Heime, klinische Einrichtungen, sonstige Institutionen) muss Gegenstand entsprechender Vereinbarungen sein.

In Supervision oder Intervision sind TanztherapeutInnen von der Verschwiegenheit entbunden, gegebenenfalls ist die Anonymität der KlientInnen zu wahren; SupervisorInnen sowie KollegInnen sind ihrerseits zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Dokumentationspflicht

TanztherapeutInnen dokumentieren relevante Daten (z.B. Beginn und Endes des Therapieprozesses, Datum und Dauer der einzelnen Stunden, die vereinbarte Honorierung, Änderungen des Settings).

Diese Dokumente werden bis mindestens 3 Jahre nach Beendigung des Auftrags aufbewahrt.

Sie führen auch schriftliche Aufzeichnungen über Prozessverläufe, die in erster Linie der eigenen Reflexion dienen und bewahren sie unter Schutz der Anonymität auf.

Kollegiale Zusammenarbeit und Kooperation

BTA-TanztherapeutInnen begegnen der Arbeit von KollegInnen mit Respekt und enthalten sich jeglicher unsachlichen Kritik an der Berufsausübung von KollegInnen angrenzender Berufe. Konkurrenz wird dadurch nicht ausgeschlossen, aber Loyalität, Toleranz und Kooperation berücksichtigt.

Ethische Grundsätze im Ausbildungsbereich

BTA-TanztherapeutInnen beachten diese „Ethischen Richtlinien“ sinngemäß auch im Ausbildungsbereich und im Verhältnis der AusbildnerInnen zu den Auszubildenden. Mitglieder, die in der Aus- oder Fortbildung von TanztherapeutInnen tätig sind, verpflichten sich, für die aktive Auseinandersetzung mit den „Ethischen Richtlinien“ zu sorgen.

Forschung

Im Interesse der wissenschaftlichen Weiterentwicklung von Tanztherapie sowie ihrer Wirkungsforschung ist es sehr zu begrüßen, dass TanztherapeutInnen an Forschungsvorhaben mitwirken. Sie halten sich dabei an wissenschaftliche Redlichkeit und achten in Forschung und Publikationen auf die Rechte der KlientenInnen und AuftraggeberInnen (z. B. Einhaltung der Verschwiegenheitspflicht durch Anonymisierung aller Daten).

Mitverantwortung des BTA und seiner Mitglieder für die Berufsethik

BTA-TanztherapeutInnen verpflichten sich, die ethischen Ziele des BTA wie sie in den „Ethischen Richtlinien“formuliert sind, zu unterstützen.

Sie verpflichten sich, in Beschwerdefällen einschlägige Auskunft zu erteilen und zur Aufklärung der Sachlage beizutragen (unter Beachtung von Verschwiegenheit und Datenschutz).