Vorträge Tagung 2018

Freudvolles Leben als Therapieziel - Erfahrungen aus dem Orpheus Programm

Michael MusalekAnton Proksch Institut Wien

Freitag, 28. September, 14.45 bis 15.45 Uhr

Grundlage des Orpheus Programms ist ein individualisiertes,  modulares Behandlungskonzept, das ursprünglich für Suchtkranke entwickelt wurde und später dann auch für an Burn-out und Depression Leidende adaptiert wurde.
Herzstück des Behandlungsprogramms ist die Entwicklung, Entfaltung und das Nutzen von Ressourcen des Einzelnen, und hier im Besonderen der ästhetischen und optativen, also der Ressourcen des Schönen und des Möglichen, um das Leben mit so viel Schönem aufzuladen, dass das Suchtmittel an Attraktivität soweit verliert, dass es im Idealfall sogar zum gerne zu vermeidenden Störfaktor wird.
In Grundmodulen zur Aufmerksamkeits- und Achtsamkeitsförderung und weiterführenden Modulen zur Körperwahrnehmung, zum Naturerleben, zur Kreativitätsentwicklung in Handwerk, bildnerischem Gestalten, Tanz und Musik und zur philosophischen Lebensreflexion bis hin zum Genussentfaltungsmodul werden in einem dialogischen Prozess vom therapeutischen Team gemeinsam mit den Patienten Spielräume und Atmosphären geschaffen, die es dem Einzelnen dann ermöglichen, als oberstes Behandlungsziel ein weitgehend autonomes und möglichst freudvollen Lebens zu erreichen.
Die höchste und zugleich tiefste Form freudvollen Lebens und Erlebens ist das Genießen, das selbst nicht bloß ein zu erreichender Zustand ist, sondern ein hoch komplexes Geschehen in dem das sich vom Schönen beschenken lassen im Mittelpunkt des Erlebens steht.

Michael Musalek

Michael Musalek (Wien)

Univ. Prof., Dr., Primarius am Anton Proksch Institut in Wien; Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie; Herausgeber der Zeitschrift “Psychiatrie & Psychotherapie” und “Spectrum”; Stellvertretender Leiter der Research Unit des UMIT (Universität für Medizinische Informatik und Gesundheitswissenschaften).

“ Ja – sagen“ als therapeutisches Mittel zur Selbststärkung

Erika Sander, Tanztherapeutin, Psychotraumatologin, Koblenz

Freitag, 28. September, 19.00 bis 20.00 Uhr

Das  ‚Ja‘  eines Menschen zu einem anderen Menschen, einer Entscheidung, einem Lebensinhalt (…) kann eine sehr unterschiedliche Bedeutung und Qualität haben, sowohl für das Individuum selbst als auch für eine Gemeinschaft. Im therapeutischen Setting spielt das ‚nein‘ sagen oftmals eine größere Rolle, als das Ja-sagen.
Menschen möchten lernen, sich abzugrenzen, Distanz zu schaffen zu Inhalten, die als belastend oder unerwünscht angesehen werden. Gleichzeitig kann durch den ‚nein‘ Fokus der Zugang zu dem, was erwünscht und befürwortet wird, versperrt werden.
In einem tanzkünstlerischen Projekt in Estland und Deutschland zum Thema: ja – sagen konnten Teilnehmer einen Zugang zu freudvollen Erkenntnissen, sinnstiftenden Lebensinhalten und stärkenden inneren Glaubenssätzen finden. In der individuellen Verkörperung und seiner kreativen Entfaltung im Tanz, in der Bewegung und dem Körperausdruck konnte ein zunächst simples ‚ja‘  eine kritische Begegnung mit Wertvorstellungen, Glaubenssätzen und Prioritäten auslösen. Im tanzkünstlerischen Prozess konnte der ‚Ja‘ – Inhalt“ seine ganze Kraft und Stärke entwickeln, um sie dem jeweiligen Teilnehmer zur Selbststärkung zur Verfügung zu stellen.
Die Methode und der theoretische Hintergrund dieser Projektarbeit sollen im Vortrag dargestellt werden.

Erika Sander

Erika Sander (Koblenz)

Tanz – und Ausdruckstherapeutin, Supervisorin, Ausbilderin und Lehrtherapeutin (BTD). Fachberaterin für Psychotraumatologie (DIPT); Bachelor of Science in Health Sciences, Bsc. (Tallinn / Estland); Masterstudium in Leadership and governance in European Public Health (Maastricht / Niederlande); Seit 2006 Trauma-adaptierte Tanz-und Ausdruckstherapie (TaTT)

Lustvolles EMBODIMENT – wie Freude entsteht, wenn Körper und Psyche zusammen wirken

Maja Storch, Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich

Samstag, 29. September, 9.00 bis 10.00 Uhr

In der Tanztherapie wird über den Körper in Bewegung die Psyche positiv beeinflusst. Wie kann man sich diese Wirkungsweise wissenschaftlich erklären? Der Embodiment-Ansatz ist eine gute Möglichkeit, dieses komplexe Geschehen übersichtlich darzustellen.

Maja Storch zeigt in einem informativen Vortrag humorvoll, praxisnah und gut verständlich auf, wie man sich die tanztherapeutische Arbeit unter Embodiment-Aspekten vorstellen kann. Außerdem leitet sie Ideen für optimale Herangehensweisen an die Themenstellungen der Klientinnen ab. Ihr Vortrag hilft dabei, die eigene Arbeit gut in Worte zu fassen und zu erklären.

Machen Sie doch was Sie wollen – Wie ein Strudelwurm den Weg zu Zufriedenheit und Freiheit zeigt

Maja Storch, Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich

Samstag, 29. September, 14.00 bis 15.00 Uhr

In der Psychologie sind die so genannten Zwei-Prozess-Theorien mittlerweile allgemein anerkannt. Man geht davon aus, dass der Mensch nicht nur von bewussten Absichten gesteuert wird, sondern dass ein unbewusstes System starken Anteil an Motivation und Umsetzung von Handlungen hat. Bewusster Verstand und Unbewusstes müssen koordiniert werden, wenn sich Lebenszufriedenheit einstellen soll.

Anhand der liebenswerten Metapher vom Strudelwurm erklärt Maja Storch die Grundlagen dieser Überlegungen und erläutert sie anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis.

Maja Storch

Maja Storch (Zürich)

Dr., Inhaberin und wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Selbstmanagement und Motivation Zürich (ISMZ), einem spin off der Universität Zürich. Zusammen mit Dr. Frank Krause hat sie das Zürcher Ressourcen Modell ZRM entwickelt, ein wissenschaftlich fundiertes Selbstmanagement-Training. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Motivation, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstmanagement, Ressourcenaktivierung, Training und Coaching. Zu ihren Themen hat sie zahlreiche wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen verfasst.

Emotionsregulation: Nutzen der Vielfalt der Gefühle in der Tanztherapie

Marianne Eberhard, Langeninstitut Monheim/Rhein

Samstag, 29. September, 15.30 bis 16.30 Uhr

Nach einer kurzen Definition wesentlicher Begriffe werden zwei Ansätze der tanztherapeutischen Förderung der Emotionsregulation vorgestellt. Der erste Ansatz basiert auf der Bewegungslehre von Rudolf von Laban, der die Vielfalt der Bewegungsqualitäten, aus der einzelne Emotionen bestehen, entdeckte.

Dieser Ansatz beinhaltet die Förderung von funktionalen Aspekten des Ausdrucks von Emotionen mittels dieser Qualitäten, bevor die semantische Ebene der Bewegungsbedeutung angesprochen wird. Auf dieser Weise kann eine regulatorische Kompetenz entwickelt werden, bevor Patienten sich mit expliziten und womöglich beängstigenden Emotionen auseinandersetzen.

Der zweite Ansatz basiert auf dem von mehreren Autoren propagierten Konzept der Emotion als Körperprozess. Dieses Konzept betrachtet die Vielfalt der Emotionen im Sinne der vielen Prozessphasen, die eine Emotion durchwandert. Demnach gilt es, nicht nur auf den Emotionsausdruck, sondern auch auf Phasen davor und danach in der Therapie zu achten. In jeder Phase kann es zu einer Über- oder Unterregulierung kommen, die sich in den Symptomen von psychischen Erkrankungen niederschlägt.

Tanztherapeutische Interventionen zur Förderung der Regulationsfähigkeit in den einzelnen Phasen werden vorgestellt.

Marianne Eberhard-Kaechele

Marianne Eberhard-Kaechele (Düsseldorf)

Dr. med.; Tanz- und Ausdruckstherapeutin, Ausbilderin, Supervisorin, Lehrtherapeutin (BTD); Leiterin Langen-Institut für Tanz- und Ausdruckstherapie (Düsseldorf); Eigene Praxis in Leverkusen und Tätigkeit im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Autorin von über 50 Fachartikeln und Buchkapiteln. Mit-Herausgeberin der Zeitschrift „körper-tanz-bewegung“.

Positive Psychologie– Wege zum Aufblühen

Philipp Streit, Institut für Positive Psychologie und Mentalcoaching Graz

Sonntag, 30. September, 9.00 bis 10.00 Uhr

Positive Psychologie hat sich zum Ziel gesetzt, systematisch zu erforschen, was es braucht, damit Menschen sich wohlfühlen und aufblühen.

Neben einer kurzen Erläuterung der theoretischen Grundlagen werden die wichtigsten positiv-psychologischen Interventionen und ihre Wirkungsweise in Therapie, Beratung und Coaching praktisch vorgestellt. Eine besondere Rolle dabei werden Bewegung, Kreativität und ihr Bezug zur Positiven Psychologie einnehmen.

Konkrete Vorschläge zur Integration in Therapiesettings runden den Vortrag ab. 

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Philip Streit (Graz)

Dr., Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut; Vorstand des Institutes und der Akademie für Kind, Jugend und Familie; Leiter des Institutes für Positive Psychologie und Mentalcoaching; Koordinator Seligman Europe Member of the IPPA Board of Directors.

Tanztherapie begegnet Phänomenologie: Konsequenzen für die Tanztherapie

Ursula Schorn, Tanz- und Gestalttherapeutin, LifeArt Expertin, Berlin

Sonntag, 30. September, 12.00 bis 13.00 Uhr

Was geschieht, wenn wir phänomenologische Grundprinzipien zur Grundlage unseres therapeutischen Handelns erklären?
Daniel Stern beschreibt in seinem Buch „The Present Moment in Psychotherapy“ einen solchen Schritt als „radikalen Abschied“ von einem historisch geprägten Weg der Psychotherapie, der  die Vergangenheit in den Fokus nimmt, statt, wie in der Phänomenologie zum Prinzip erklärt, die unmittelbare Erfahrung.

Nicht das Unbewusste, sondern die bewusste Wahrnehmung prägt den Weg. Nicht Deutung, sondern Bedeutungsfindung durch den subjektiv geprägten Erfahrungsprozess ist Ziel therapeutischen Handelns.

Die in diesem Vortrag dargestellten phänomenologischen Grundprinzipien fordern einen Perspektivenwechsel heraus, der befreit von fixierten Selbst- und Fremdbildern Räume lustvollen Ausdrucks und bewegender Erkenntnisse öffnet.

Ursula Schorn

Ursula Schorn (Berlin)

Master-Studium in Tanztherapie (USA); Graduierung am Fritz Perls-Institut zur Tanz- und Gestalttherapeutin; Ausbildung zum Anna Halprin Practitioner am Tamalpa Institut, Kalifornien. Diplomstudium in Musik- und Elementaren Tanz Mozarteum Salzburg; Heute in freier Praxis als Tanz- und Gestalttherapeutin in Berlin tätig; Leitung von Fortbildungen in LifeArt Process im In- und Ausland. Co-Autorin des Buches: „Anna Halprin. Tanz – Prozesse – Gestalten".